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Der Große Garten - Barockes Monument und ein Geheimnis

Von: Susanne Mischke
Gerade Achsen, symmetrische Ordnung - der Große Garten in Herrenhausen, Bild: Historisches Museum
Die Herrenhäuser Gärten sind der Stolz von Hannover und weit über dessen Grenzen hinaus bekannt. Dabei fing es klein an. 1666 ließ Herzog Johann Friedrich einen Wirtschaftshof zum Sommersitz erweitern. Es entstanden 16 Gartenquadrate, umgeben von kleinen Hecken, dazwischen Obstbäume, eine Kaskade, eine Grotte und ein paar Wasserfontänen. Als der Herzog starb und dessen Bruder Ernst August 1679 an die Regierung kam stürzte sich dessen Frau Sophie sofort mit großem Eifer auf den Garten.

Sie engagierte den französischen Gärtner Martin Charbonnier, kaufte seltene Pflanzen, darunter zahlreiche Orangenbäumchen, Bildhauer schufen Statuen, dutzende Tagelöhner waren mit Graben und Hecken stutzen beschäftigt. Nach holländischem Vorbild entstand die Graft, ein zwei Kilometer langer Wassergraben.

Im Sommer zog der ganze welfische Hofstaat mit Sack und Pack von Hannover nach Herrenhausen. Der symmetrisch angeordnete Barockgarten bildete die Kulisse für rauschende Feste – venezianische Nächte mit Gondelfahrten, Maskenbälle, Konzerte. Leibniz höchstpersönlich inszenierte Laienspiele im Gartentheater.

Unter Sophie entstand direkt vor dem Schloss das „Parterre“, acht rechteckige Beete, je 63 Meter lang. Im Süden ließ Sophie den „Nouveau Jardin“ anlegen, den Neuen Garten mit Großer Fontäne. „Alle Lustbarkeit, die man hier hat, ist der abendliche Spaziergang im Garten“, schrieb sie 1710 ihrer Enkelin. Drei Jahre später schwärmte sie: „Nur mit dem Herrenhäuser Garten können wir prunken, der in der Tat schön und wohl gehalten ist.“

Der barocke Garten mit seiner symmetrischen Ordnung wurde zum Sinnbild zentralistischer Macht. In Herrenhausen ist das Lebensgefühl einer Epoche zur Landschaft geworden: Mathematische Ordnung dominiert den Wildwuchs, die Natur ordnet sich dem Herrscher unter, schnurgerade Achsen laufen auf einen Punkt zu – das Schlossportal,.

Allerdings fiel dem Biologen und Buchautor Joachim Knoll („Der Große Garten Herrenhausen“) folgendes auf: „Alle rechten Winkel der Beete sind um 2,8 Grad vergrößert oder verkleinert.“ Schlamperei darf man dabei wohl ausschließen, aber was wollten Charbonnier und Leibniz durch diese kleine Prise Unperfektion ausdrücken? Wollten sie heimlich an den starren Ordnungsprinzipien ihrer Zeit rütteln? „Man kann darüber nur spekulieren“, sagt Knoll. „Und warum soll so ein Garten keine Geheimnisse wahren?“

Dass der Große Garten dieses Geheimnis bis heute bewahren konnte, liegt daran, dass er aus dem Blickfeld der Mächtigen geriet. 1714 zog der Hof weg. Angeblich soll Kurfürst Georg Ludwig gerade im Garten gewesen sein, als man ihm offiziell die englische Krone antrug.

Danach kamen in Europa englische Gärten in Mode, und damit das genaue Gegenteil der Barockgärten. Bloß keine Symmetrie mehr! Herrenhausen verwilderte ein wenig, doch im Großen und Ganzen blieb der Große Garten bis heute das, was er einst gewesen war: die monumentale Kulisse eines barocken Schauspiels.

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