

Das Ernst-August-Denkmal (Foto: R. Birkefeld)Die Inschrift mit dem berüchtigten hannoverschen Genitiv „Dem Landesvater sein treues Volk“ nimmt kaum jemand zur Kenntnis, wenn vielleicht auch die Formulierung „Wir treffen uns unterm Schwanz von Ernst August seinem Pferd“ die damalige Widmung rechtfertigt.
Im Grunde ist die Platzierung des Reiterdenkmals vor dem Bahnhof der reinste Hohn. Zu Beginn seiner Regierungszeit (1837) sagte Ernst August noch, dass er keine Eisenbahn in seinem Lande dulden würde, weil er nicht wolle, dass jeder Schuster und Schneider so rasch reisen könne wie er. Zehn Jahre nach seinem Tode wurde 1861 das Denkmal auf dem Bahnhofsvorplatz errichtet.
Es ist bezeichnend, dass er dem Bahnhof, den er nicht gewollt hatte, den Rücken kehrt und in der Uniform des Gardehusaren als anachronistisches Relikt verhaltenen Trabes den Ort zu räumen scheint, an dem sich das anbrechende technische Zeitalter sichtbar Gestalt verschafft hatte.
Und es ist ein demokratischer Sieg über einen unverbesserlichen Verfechter des monarchischen Prinzips, dass sich die Nachfolger seines Volkes, die Schneider und Schuster, also Hinz und Kunz, die Freiheit nehmen, sich unterm Schwanz seines Gauls zu treffen, ohne den königlichen Reiter auch nur eines Blickes zu würdigen.
Ernst August ist glücklicherweise Vergangenheit; aber der Schwanz seines Pferdes wird immer ein Treffpunkt im Heute bleiben.
Hatte neulich das Glüch hier einen Heiratsantrag zu sehen. Der Platz ist ja ideal für solche Anlässe.